Der "letzte Rollenträger" kam per Kurierdienst

Sechs Wochen vor der Premiere zur Reider Theatersaison mit "Don Camillo und Peppone" ist der letzte "Rollenträger" eingetroffen: Der Christuskörper für das sprechende Kreuz wurde aus München angeliefert.

Sei es nach einer Rauferei mit dem kommunistischen Bürgermeister Peppone, sei es in einem Moment des Zweifels und der Ratlosigkeit - Don Camillo, der ebenso streitsüchtige wie schlitzohrige Priester aus einem kleinen Dorf in Norditalien, findet im Zwiegespräch mit dem gekreuzigten Jesus neuen Halt oder wird mehr oder weniger sanft auf den rechten Weg zurückgeführt.

"Der sprechende Jesus kommt nicht nur in verschiedenen Szenen vor, das Kreuz ist auch optisch ein zentrales Element" sagt Regisseur Nicolas Russi, der auch für die Gestaltung des Bühnenbildes verantwortlich ist. Weshalb die Suche nach der passenden Kreuz-Figur in den Vorbereitungsarbeiten besonders viel Zeit in Anspruch nahm. Die Idee "Eigenbau" wurde bald einmal verworfen, ein Holzbildhauer-Auftrag als zu teuer eingestuft, und dass ein passendes Kreuz mit einem nahezu lebensgrossen Jesus von einer Kirche ausgeliehen werden kann, schien äusserst unwahrscheinlich.

Internet sei dank wurde schliesslich in München eine Firma für kirchliche Ausstattungen gefunden, die einen passenden Christuskörper zu einem noch annehmbaren Preis liefern konnte. Und so konnten die Protagonisten der diesjährigen Inszenierung auf der Reider Sonnen-Bühne an einem Probeabend den künftigen Begleiter begutachten: Köbi Schär jene Figur, der er als Sprecher im Hintergrund seine sanfte, väterliche Stimme verleihen wird, Roland Höltschi (Don Camillo) seinen Ansprechpartner für religiöse und weltliche Diskussionen, und Beat Achermann (Peppone) das Abbild des "Chefs" seines politischen Gegners.

Eine Grossproduktion mit Musik und Gesang

Don Camillo, Peppone und Jesus stehen zwar im Mittelpunkt des Stückes, daneben wirken jedoch weitere 26 Spielerinnen und Spieler auf der Bühne mit, als kantige Figuren auf konservativer Seite, als kämpferische Truppe bei den Kommunisten, als Mitglied der Dorfgemeinschaft, die trotz allen Streitigkeiten immer wieder einen gemeinsamen Weg findet.

Für den musikalischen Part sorgt ein achtköpfiges Orchester, das einerseits die Chorgesänge begleitet, anderseits die Szenenwechsel überleitet. Dabei sind nicht nur Choral, Hymne oder Kampflied zu hören, bei der kommunistischen Kundgebung werden die Musiker auch als Blaskapelle eingesetzt.

Noch stehen rund 40 Probestunden und drei Hauptproben auf dem Programm, bevor die Theater-Gesellschaft Reiden am Samstag, 27. Oktober, die 142. Spielsaison eröffnen kann. Bis am 30. November sind 14 Vorstellungen vorgesehen, wovon deren drei am Sonntagnachmittag, da sich dieses Stück gut für einen Familien-Ausflug ins Theater eignet.